Öko-laminat ist nicht nachhaltig

Werden ökologische, “grüne“ Kunstgriffe für graphisches Design gegeben, so sind diese herzlich Willkommen. Die Welt von Papier und Karton hat zum Thema Nachhaltigkeit viel zu bieten. Aber sicher nicht durch die Verwendung von 'Öko-Laminat', womit sich das Magazin Graficus präsentiert. Das Cover der Septemberausgabe wurde mit Öko-Laminat versiegelt. Laut Erklärung des Lieferanten “ist es zehn bis fünfzehnmal schneller kompostierbar als herkömmliches Laminat”. So wurde Öko-Laminat als gutes Beispiel für “ein grünes Druckerzeugnis”, zum Auftakt des Tages „Nachhaltig Drucken und Verpacken (!), im Oktober vergangenen Jahres, herangezogen.

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Ökologisch und Laminat geht nicht zusammen. Gleich, ob der Rohstoff einen fossilen oder biogenen Ursprung hat, ist Laminat per Definition nicht ökologisch. Sobald Papier oder Karton laminiert, kaschiert oder extrudiert wurden, kann es nach Gebrauch nicht dem Altpapier zugeführt werden und wird nicht wiederverwendet, sondern verbrannt. Verbrennen ist weniger ökologisch als recyceln – das weiß jeder. Laminat, das doch zum Altpapier gegeben wird, stört den Recyclingprozess von Papier und Kartons, da sich die Folie nicht vom Papier löst. Darum ist laminiertes Papier nicht geeignet über das Altpapier entsorgt zu werden. Aus diesem Grund (aber auch wegen des Restinhalts) können auch Pappbecher und Getränkekartons nicht im Altpapier gesammelt werden. Der Karton einer Milchverpackung ist zweiseitig mit Kunststoff (PE-extrusion) versehen, um diesen Wasserdicht zu machen. Getränkekartons sowie andere laminierte Papiere können recycelt werden - hierzu müssen sie separat eingesammelt und verarbeitet werden. Die Niederlande verfügen im Gegensatz zu Belgien und Deutschland nicht über ein passendes, etabliertes Recyclingsystem.

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Das Öko-Lamiat, laut Hersteller, viel schneller kompostierbar ist, erweckt beim Leser einen falschen Eindruck. Es suggeriert, das der Graficus sowie alle weiteren Öko-laminierten Druckerzeugnisse nach dem Lesen in das Altpapier gegeben werden können. Will man ein nachhaltiges Durcherzeugnis entwerfen, so sollte dies nicht laminiert werden, sondern sichergestellt sein, dass der Druck nach dem Gebrauch als einzelnes Material recycelt werden kann. Allein ökologisches Design führt zur Wiederverwendbarkeit von Material und somit zu mehr Nachhaltigkeit.

Was sind nützliche Hinweise für einen Grafikdesigner bei der Gestaltung von Druckerzeugnissen? Wie kann er seinen Auftraggeber beraten und helfen, Nachhaltigkeit ganzheitlich umzusetzen? Zunächst liegt auf der Hand, das Material für das Druckerzeugnis bestmöglich auszunutzen, kein Papier oder Karton zu verschwenden und das wirtschaftlich beste Format zu wählen. Keine ausfaltbaren Seiten für das Cover, wenn diese keine Funktion haben, keine unnötigen "weißen" Seiten ohne Text oder Bild und effizientes ausnutzen der Seitenspiegel Layouts. Ein weiterer Tipp ist, auf die Abmessungen und Formate der Druckerzeugnisse in Bezug auf die gängigen Papierformate zu achten – dies verhindert, dass Material durch Verschnitt verschwendet wird. Schließlich ist auf die beste Kombination von Papiertyp, Druckfarbe, Druck oder Schutzlackierung zu achten, die die schönsten Ergebnisse bei geringster Umweltbelastung liefern. Die Möglichkeiten sind hier gegenwärtig sehr vielfältig. Die Kunst ist es, Öko-Design auch bei Verpackungen anzuwenden, was auch eine Herausforderung für papier “verpackte“ Informationen ist.

Der Begriff „Öko-Laminat“ kann schnell wieder aus dem Sprachgebrauch genommen werden, er ist ein Widerspruch in sich und eine Form des green-washings, die nicht erwünscht ist. Es ist nichts dagegen einzuwenden „Öko“ und „grün“ als Marketinginstrumente zu verwenden, soweit die Botschaft mit der Realität im Einklang steht. Das Vorstehende belegt, dass beide Begriffe in der Praxis oft missbraucht werden.

Green-washing ist auch nicht notwendig, um die Nachhaltigkeit grafischer Arbeit ins Rampenlicht zu stellen, das macht das Papier schon selbst. Es gilt die Möglichkeiten sorgfältig abzuwägen, um Nachhaltigkeit mit sauberen Motiven zu realisieren.

Wienus van Oosterum Direktor Papier Recycling Niederlande (PRN)