2030. Schauen wir nicht zu weit in die Zukunft?

2030. Schauen wir nicht zu weit in die Zukunft?

Vor ungefähr einem Jahr hat Instore Only durch die Augen von fünf europäischen Trendbeobachtern auf das Jahr 2020 geschaut. Diese Trendbeobachter waren Prof. Dominique Cuvillier Msc (Frankreich), Herman Konings Msc (Belgien), Mathias Haas (Deutschland) und die Niederländer Jempi Moens MBA und Meindert Bos (internationale Trends). In dieser Ausgabe beschreiben wir einige Trends in Richtung des Jahres 2030. Als Grundlage dient uns dabei eine für Europa repräsentative Studie von INRetail, einer Organisation, der sich 15.000 Einzelhändler angeschlossen haben. Trends, über die man sich nicht unbedingt einig sein muss, über die Sie aber einmal nachdenken sollten.

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Einzelhändler müssen Entscheidungen treffen

Veränderungen im Einzelhandel geschehen rasendschnell, Bewegungen (Shifts) folgen schneller aufeinander als je zuvor. Für Einzelhändler ist es wichtig, sich für den Konsumenten von anderen abzuheben, egal auf welche Weise. Einzelhändler, die sich nur schwer anpassen können, werden Probleme bekommen. Für sie haben die Veränderungen negative Folgen. Einzelhändler, die die Erwartungen der Konsumenten übertreffen, gehen rosigen Zeiten entgegen. Wer sich auf die neuen Wünsche der Konsumenten einstellt, schafft sich seine eigenen neuen Chancen. Für den Einzelhandel bedeutet der Weg ins Jahr 2030 auch den Umgang muss mit „growing expectations“. Diese können anhand der Formel Drivers, Needs und Acces entdeckt werden. Drivers: Schauen Sie sich die Entwicklungen in der Gesellschaft an. Needs: Welche Bedürfnisse haben die Konsumenten? Access: Welche Unternehmen, Lieferanten und Innovationen sind vorhanden, um diese Bedürfnisse zu befriedigen? Einfach? Nein interessant? Auf jeden Fall!

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Zwölf Trends, die Sie nicht verpassen dürfen

1.Ausgeben und Beitragen

Der Konsument der Zukunft entscheidet sich immer bewusster dafür, was er wo einkauft. Er will die Herkunft, aber auch den Lieferanten seiner Waren kennen. Unternehmen, die diese Transparenz nicht bieten, werden immer seltener auf der Liste der Konsumenten erscheinen. Die Konsumenten sind sich auch nicht zu schade, sich selbst an diesem Prozess zu beteiligen. Sie haben die Verschwendung satt, achten auf Verpackungen und Nachhaltigkeit ist ihnen wichtig. Sie achten daher auch auf die Qualität der Displays und der Ladeneinrichtung. Die Displays von Holbox enthalten keine Kunststoffteile und werden aus umweltfreundlicher Pappe hergestellt. Natürlich wird es auch weiterhin Schnäppchenjäger geben, aber nicht jeder kann und will dabei mitmachen.

2. Wegwerfen und Weitergeben

Eine wachsende Gruppe von Konsumenten lehnt die Wegwerfgesellschaft ab. Das Schlüsselwort heißt Recycling, was auch für die Pappreste bei Holbox gilt. Auch Weggeben ist möglich. Second Hand-Läden schießen wie Pilze aus dem Boden. Fast alles, was Konsumenten kaufen, muss wieder verwendet werden können. Dabei kann es sich sowohl um vollständige Produkte als auch um Teile davon handeln. Heute ist der Konsument noch für seinen Abfall verantwortlich, aber in absehbarer Zeit wird dies der Hersteller sein. Und möglicherweise bekommt auch der Einzelhändler noch seinen Anteil ab.

3. Besitz und Nutzung

2030 kauft der Konsument keine Produkte mehr, sondern Dienstleistungen. Heute kann man Geräte im Baumarkt oder bei Vermietorganisationen von Transportmitteln und Werkzeugen leihen. Aber das geht noch weiter. Innerhalb einiger Jahre werden Betten, Möbel und sogar Küchen verliehen. Der Einzelhandel muss sich auf den Übergang vom Verkäufer zum Erbringer von Dienstleistungen vorbereiten. Beispiele: Der Einzelhändler verkauft keine Matratze, sondern Nachtruhe. Keine Waschmaschine, sondern saubere Wäsche. Beispiele: Netflix und Spotify. Der Konsument kauft ein Erlebnis und nicht mehr das Produkt. Vorteil für den Einzelhändler: ein konstanter Umsatz- und Einkommensstrom.

4. Timeslot und Timefit

Noch immer legen der Hersteller und der Einzelhändler fest, wann etwas geliefert wird. Der Konsument nimmt noch eine Wartezeit von einigen Wochen in Kauf, um das Begehrte in seinen Besitz zu bekommen. Das wird demnächst vorbei sein. Eine kurze Lieferfrist ist eine wichtige Voraussetzung für das weitere Bestehen. Daher rühren die Horden von Fahrradkurieren und Zustelldiensten, die sich die Reifen heiß fahren, um fristgerecht liefern zu können. Aber es geht noch schneller, wenn Zustellaktivitäten gebündelt werden. Das heißt, dass andere als die traditionellen Anbieter auf den Markt kommen. Der Trendbeobachter Mathias Haas hat vor einem Jahr in diesem Blatt schon verkündet, dass Finanz- und Logistikunternehmen die Zustellung von Lebensmitteln, die sie nicht selbst hergestellt haben, übernehmen werden. Extra: Der Einzelhändler muss die Anlagen bereitstellen und die entsprechende Wartung leisten, um dem Kunden einen Service bieten zu können. Bekommt der Konsument die Macht? Auf jeden Fall!

5. Transaktion und Attraktion

In naher Zukunft haben Einzelhandelsgeschäfte nicht mehr nur den Zweck, dort einkaufen zu können. Sie müssen auch Erlebnisse bieten. Displays leisten dabei einen wichtigen Beitrag ... zum Erlebnis und zur Präsentation. Der stationäre Laden wird zum Treffpunkt zwischen Einzelhändler und Kunde. Und zwischen Kunden untereinander. Geschäfte und Einkaufsstraßen müssen in dieser Hinsicht gegenüber Theatern und Freizeitparks bestehen. Grund: Der Konsument hat wenig Zeit und er lechzt nach Informationen, die er auf eine möglichst angenehme Weise aufnehmen möchte. Das beinhaltet auch: freundliches Personal, persönlicher Kontakt, ein breit gefächertes Angebot, ein schöner Ort, um dort die Freizeit zu verbringen. Nicht umsonst empfindet fast ein Viertel der Konsumenten Einzelhandelsgeschäfte als fade und langweilig. Die Alternative ist das Onlineshopping, wodurch der Einzelhändler den Konsumenten verliert.

6. Endnutzer und Co-Produzent

In Zukunft ist der Konsument Teil, wenn nicht sogar Initiator von (neuen) Produkten. Die Massenproduktion wird in zunehmendem Maße zu Maßarbeit. Das ist möglich, wenn Produkte als „Bausatz“ mit Modulen, aus denen der Konsument wählen kann betrachtet werden. Das ist zwar etwas teurer, der Konsument will sich in der Zukunft aber von anderen abheben. Dank der 3D-Drucktechnologie ist es grundsätzlich möglich, jedes Produkt nach Maß zu fertigen. Maßarbeit ist heute noch teuer, aber je weiter sich die Technologie entwickelt, desto günstiger wird sie. Um 2030 herum wird der Konsument viele Artikel kaufen, die seinem eigenen Geschmack entsprechen. Dazu gehören Brillen, Armbanduhren, Möbel, Kleidung … und nicht zu vergessen: Displays. Diese werden von „De Kartonnenwinkel“ nach Maß gefertigt, auch in kleinen Stückzahlen. Das ist ein Prozess, bei dem der Hersteller und der Konsument eng zusammenarbeiten.

7. Check-out und Check-in

Daten sind wichtig für den Einzelhändler, aber der Konsument gibt sie nicht ohne weiteres weiter. Dem muss eine gewisse Bequemlichkeit gegenüber stehen, dann haben beide Spaß daran. Der Einzelhändler, weil er seinen Kunden immer besser kennenlernt, der Konsument, weil es ihm Bequemlichkeit bietet. Die Belohnung des Kunden beginnt bereits beim Betreten des Ladens und nicht erst hinterher. Kameras mit Gesichtserkennung verfolgen den Kunden, so dass der Einzelhändler ihm eine passgenaue Dienstleistung bieten kann. Kurz gesagt: Der Einzelhandel verändert sich vom Check-out zum Check-in (zum Beispiel über die Gesichtserkennung oder über das Handy). Und bezahlen an der Kasse? 2030 wird das niemand mehr machen.

8. Soziale Netzwerke und Social Commerce

Im Laufe der Jahre wird sich die Customer Journey zu einem großen Teil auf die digitalen Medien verlagern. Soziale Netzwerke haben einen enormen Einfluss und darauf muss sich der Einzelhändler einstellen. Videos werden die traditionellen Anzeigen ersetzen. Sie vermitteln ein reales Bild der Produkte und Dienstleistungen. Blogger und Vlogger möchten diese gern übernehmen, was auch für andere digitale Medien gilt. Mund-zu-Mund-Propaganda wird quasi Facebook-zu-Facebook-Propaganda (bzw. ein anderes Medium, das 2030 üblich sein wird). Es geht darum, Erfahrungen weiterzugeben. Kaufbuttons vervollständigen die digitale Reise.

9. Kauf und Algorithmus

Der Kauf von Low-Interest-Produkten kostet oftmals nur Zeit und ist häufig ein Ärgernis. Ambient Commerce hat darauf eine Antwort. Wenn ein Konsument angibt, in Urlaub zu fahren, werden automatisch Waren bestellt, die damit zusammenhängen. Geht es zu einem Ziel in der Sonne, wird automatisch Sonnencreme geliefert, geht die Reise in die Tropen, dann steht Insektenspray auf der Liste. Geräte im Haus oder Apps auf dem Handy registrieren den Bedarf auf der Basis der Häufigkeit, des Verbrauchs und der Eingabe von Familienmitgliedern über Dinge, die der Konsument benötigt. Der Einzelhändler steht dabei vor der Herausforderung, dass der Kunde sich genau für ihn entscheidet. Loyalität wird vorhersehbar und bedeutet Umsatz.

10. Programmiertes und datengetriebenes Marketing

Instore Only hat sich diesem Phänomen schon früher gewidmet. Das war in einem Interview mit Dr. Maurits Kaptein zunm Thema „die digitale Verführung“. Auf der Basis von Algoritmen kann man vorhersagen, was ein Kunde tun will und wird. Die Customer Journey entwickelt sich auf der Basis von Signalen. So erfährt der Einzelhändler, welcher Inhalt zu welchem Zeitpunkt für den Konsumenten relevant ist. Relevanz ist daher auch das Wort der Zukunft. Der Konsument wird den ganzen Tag lang mit Informationen bombardiert, wobei er sich auf ihn zugeschnittene Informationen wünscht. Das ist nur möglich, wenn Hersteller und Einzelhändler gegenseitig Informationen austauschen. Die Medaille hat zwei Seiten: persönliche und relevante Informationen für den Kunden und für den Einzelhändler: Umsatz!

11. Von Informationen zum Infotainment

Die jetzt heranwachsenden Konsumenten sind nicht an das Tippen und an Tastaturen gewöhnt. Sie wachsen mit Sprache, Linsen, Bild und Ton auf. Augmented und Virtual Reality sind für sie bereits jetzt kalter Kaffee. Und es geht noch darüber hinaus. Bewegungen, Vibrationen und sogar Luftströme sind sensitive Informationsquellen, die eine Kommunikation sowohl miteinander als auch mit Unternehmen ermöglichen. Die physische Welt wird immer stärker mit einer attraktiven Umgebung verwoben. Keine Informationen ... ein Erlebnis muss es sind. Das bedeutet: infotainment. Die Dimension „Gefühl“ spielt im Kontakt zwischen dem Einzelhändler und dem Konsumenten immer häufiger eine Rolle. Displays sind dabei ein wichtiges Element. Sie sorgen für die Atmosphäre und das Erlebnis im Laden. Es sind auffallende Objekte, die dem Kunden eine Vielzahl von Informationen übermitteln

12. Geschäfte und Ökosysteme

Wenn wir über den Markt sprechen, dann gilt: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Auf einem Markt treffen sich Angebot und Nachfrage. Das ist in der digitalen Welt nicht anders. Die Kontakte zwischen den Konsumenten und den Lieferanten verlaufen über ein sogenanntes digitales Ökosystem. Dieses System regelt die Interaktion zwischen den Online- und den Offlinekanälen, den Konsumenten, Lieferanten und Bloggern. Bei diesem System steht der Kunde im Zentrum und es verbindet alle möglichen Kundenkontakte miteinander. Dabei handelt es sich sowohl um die Nutzung eines Produkts als auch um einen Besuch im Ladengeschäft, eine E-Mail und einen Kauf. Die Menge der möglichen Kundeninteraktionen ist größer als jemals zuvor. Einzelhändlern tun gut daran, ihre Informationen zu teilen, auch mit Konkurrenten. Dieser Netzwerkeffekt bringt viele Vorteile!