Nachhaltigkeit: das neue Marketing-Tool

Poldertalk

Das neue Marketing-Tool, mit dem der Handel seine Kunden erfreuen kann, ist laut Leo van der Polder Nachhaltigkeit. Er ist General Manager von Shop! Benelux (ehemals Popai Benelux) und Global Development Director von Shop!. Diese Organisation beschäftigt sich mit vielfältigen Marketingproblemen am Point of Purchase.

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Als Beispiel für Nachhaltigkeit nennt er die Entwicklung eines ECO-Gütesiegels in Frankreich, das unter Mitwirkung der Regierung zustande kam. Unternehmen können ein ECO-Zertifikat erwerben, das sich zu einem heißbegehrten Gütesiegel entwickelt hat. Die POP-Industrie in Frankreich ist für die Produktion von ungefähr 70.000 Tonnen Abfall aus Pappe und 27.000 Tonnen anderer Materialien wie Metall, Kunststoff, Holz, Glas etc. verantwortlich. Van der Polder weitet den Umweltaspekt der POP-Industrie aber noch aus. „Es geht nicht nur um Verpackungen, sondern auch um Beleuchtung, biologisch abbaubare Materialien der Ladenausstattung, Fußböden, Wände und Decken. Der Kunde möchte gern in einer Umgebung einkaufen, in der die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit berücksichtigt werden.“

Van der Polder nennt die Erderwärmung und das leichtsinnige Entsorgen von Plastikmüll an Land und im Meer in einem Atemzug. Die inzwischen erfolgte Verbannung der Plastiktüten nennt er einen wankelmütigen Anfang. Wenn der Einzelhandel auf eine positive Art und Weise überleben möchte, ist mehr als das nötig. „Man kann erkennen, dass der Konsument wissen möchte, was er kauft und wo diese Dinge herkommen. Welches Tier wo geschlachtet wurde bis hin zum Bauern, der den Spinat anbaut.“

Investitionen

Der Handel wird laut van der Polder stärker in eine Kreislaufwirtschaft investieren müssen. Nicht unbedingt, um in der Gunst der Kunden zu steigen, sondern um die steigenden staatlichen Anforderungen zu erfüllen. Wie in Frankreich steht in ganz Europa eine ECO-Zertifizierung an. Das ist mit hohen Investitionen verbunden. Nach Auffassung des Managers lautet momentan die zentrale Frage, ob die Industrie diese übernehmen möchte oder ob man diese Bemühungen um Nachhaltigkeit einfach auf den Kunden abwälzt. Und auch: Wollen diese das bezahlen? Die Industrie muss das Thema Nachhaltigkeit übrigens nicht allein bearbeiten. Der Shop! -Manager: „Schauen Sie nach Frankreich, hier hat die Regierung bei der Entwicklung eines für alle geltenden Standards eng mit der Industrie zusammengearbeitet. Es wird einfach ein ‚Must‘.“ Dabei geht es übrigens nicht nur um die Herkunft der Produkte, um das Verpackungsmaterial und die Ladeneinrichtung. Van der Polder: „Für Zulieferer in der Supply Chain wird auch der Transport zu einer wichtigen Komponente. Der Transport von A nach B muss möglichst effizient und mit möglichst geringen Umweltkosten durchgeführt werden.“

Transparenz

Die neuen und ziemlich drängenden Fragen der Konsumenten erfordern nach Auffassung des Shop!-Managers mehr Transparenz in der POP-Industrie als jemals zuvor. Dank moderner digitaler Mittel können Kunden und Unternehmen in Zukunft - und manchmal auch bereits jetzt - direkt miteinander dazu kommunizieren. „Die Branche wird den Konsumenten in seiner oder ihrer Sprache ansprechen müssen und die Art und Weise wird je nach Land unterschiedlich sein. Es steht jedoch fest, dass Nachhaltigkeit kein Trend mehr ist, sondern ein ‚Basic‘, das der Konsument einfordert. Das könnte in der Zukunft noch sehr weit getrieben werden. Dann erlebt der Konsument nicht nur die LED-Beleuchtung im Geschäft, sondern sogar die ECO-Freundlichkeit der Farbe, mit der die Regale angestrichen sind.“

Das neue Schlagwort im Marketing und gleichzeitiges Verkaufsargument lautet Nachhaltigkeit. Laut van der Polder können Unternehmen auch einen Nutzen daraus ziehen. „Wer diese Anforderung umsetzt, gewinnt die Gunst des Kunden und hat damit eine besonders vorteilhafte Position.“ Er ist davon überzeugt, dass dies eine Entwicklung ist, die im Konsumentenverhalten eine immer wichtigere Rolle spielen wird.