Veröffentlicht am: 22.12.2020
CEO Jan Hol in KVGOpinie
Kürzlich wurde Holbox-CEO Jan Hol vom KVGO für das Magazin KVGOpinie interviewt. Thema: innovativ bleiben, sich differenzieren und die Bedeutung von Marktkenntnis.
„Sich immer wieder neu positionieren“
Grafische Unternehmen sollten nicht zu ängstlich sein, sich immer wieder neu zu positionieren. Diese Worte stammen von einem Mann, der das in seinem Leben schon sehr oft getan hat: Jan Hol. Der 74-jährige CEO von Holbox und Kartonnenwinkel.nl — mit rund 400 Mitarbeitenden weltweit — sitzt fast jeden Morgen um sieben Uhr an seinem Schreibtisch. Pünktlich um drei geht er wieder, denn seit einer Herzoperation vor sieben Jahren lässt er es für seine Verhältnisse ruhiger angehen. „Wir sind ein Familienunternehmen, und das bedeutet, dass meine Kinder jetzt die wichtigsten Aufgaben im Unternehmen haben.“ Gemeint sind seine Frau Wies, sein Sohn Martijn sowie die Töchter Anouk und Chantal.
Um zu zeigen, dass stetiges Re-Positionieren sein Credo ist, hat er am Morgen des Interviews gerade beschlossen, dem Konzept „kartonnenwinkel.nl“ eine neue Bestimmung zu geben — genauer: es auf eine Landingpage zu reduzieren. Und wie das bei Jan so ist: Ist etwas beschlossen, soll die Umsetzung am liebsten gestern passiert sein. Der neue Name wird: Holbox Shop Direct.
Shop
Holbox gehört zu den größten Anbietern von Kartondisplays. Meist geht es um sehr große Stückzahlen, die in ganz Europa abgesetzt werden. Neben einem Produktionsstandort in Echt (Limburg) betreibt das Unternehmen auch eine Fabrik in Polen. Zudem gibt es Vertriebsbüros in Deutschland und Polen; bedient wird auch der skandinavische Markt. Die Idee eines Ladens, der auch kleine Mengen an Kartonprodukten liefern kann, hatte Jan schon vor Jahrzehnten. „Zum Beispiel physische Shops mit sieben oder acht Standorten in den Niederlanden. Die Investitionen wären jedoch enorm gewesen, daher kam es nie dazu. Mit den Möglichkeiten des Internets konnten wir die Idee schließlich als Webshop umsetzen. Wir dachten, wir könnten mit der Produktion kleiner Stückzahlen von Displays und anderem POS-Material Geld verdienen — über einen Webshop. An Privatkunden verkauften wir Geschenkartikel aus Karton, teils aus unseren Kartonabfällen gefertigt.“ Das Konzept „Kartonnenwinkel“ erwies sich als Glücksgriff.
Ausland
Mit Radio- und TV-Werbung wurde das Konzept in die Höhe katapultiert. Das Sortiment wurde stark ausgebaut — unter anderem um Standarddisplays, die Kundinnen und Kunden mit eigenen Bildern und ihrer Corporate Identity versehen konnten, sowie um einzigartige Kartonprodukte. Außerdem Schaufenstermaterial, Sitzmöbel, Messewände, lebensgroße Aufsteller und allerlei Merchandising-Artikel. Das Konzept kam auch im Ausland an. „Inzwischen macht das zwischen 8 bis 10 % unseres Umsatzes aus“, weiß Jan.
Einblick
Die Arbeit über einen Webshop brachte nicht nur Umsatz, sondern auch Markteinblicke. Jan Hol: „Wir haben festgestellt, dass potenzielle Kundinnen und Kunden nicht nach Unternehmen suchen, sondern nach unterscheidbaren Produkten. Diese können wir herstellen, auch in kleinen Stückzahlen — von einem Einzelstück bis zu mehreren Tausend. Für diesen ‚kleinen Markt‘ habe ich zwei Designer eingeplant, zusätzlich zu unserem festen Holbox-Designteam mit 15 Designer*innen, die einzigartige Produkte entwerfen können. Darin liegt der Unterschied. Durch Differenzierung können wir trotz kleiner Auflagen unseren eigenen Preis festlegen und vermeiden, mit Dutzenden Kollegen zu konkurrieren. Wir sind Spezialisten für Karton. Wir könnten problemlos Holzdisplays produzieren — das Equipment hätten wir. Aber wir wollen Spezialisten für Karton bleiben.“
Abschied
Da nun klar ist, dass Kundinnen und Interessenten nach Produktnamen suchen, wird das Vehikel „Kartonnenwinkel“ im Grunde überflüssig. „Kleine Mengen und Spezialprodukte können wir auch unter dem Namen Holbox liefern. Außerdem zieht das Wort ‚winkel‘ viele Privatkundinnen an. Das ist eine sehr arbeitsintensive Kundengruppe. Von dieser werden wir uns nach und nach verabschieden. Die Marke Holbox bleibt der Schirm, unter dem wir arbeiten.“ Bedauert der CEO, dass dieser Name verschwindet? Jan bleibt nüchtern: „Eine Frage des fortschreitenden Erkenntnisgewinns.“
Rettung
Laut dem Limburger CEO kann Differenzierung die Rettung vieler grafischer Betriebe sein. Alle suchen nach einem Stück vom Markt — nennen wir es: im selben Teich fischen. Holbox hat stets versucht, seinen eigenen kleinen Teich zu schaffen. Das sorgte immer wieder für eine unterscheidbare Position und damit für weniger Konkurrenz. Jan Hol: „Als wir immer mehr Konkurrenz von Druckereikollegen bekamen, kauften wir einen Digitaldrucker, um einen neuen Markt zu bedienen. Kürzlich kam ein vollautomatischer Zünd D3-Plotter hinzu.“
Auslagern
Das Ende der Entwicklungen ist noch lange nicht in Sicht, so Jan Hol. „Corona hat viele Probleme in der Geschäftswelt offengelegt. Unter anderem, dass wir dank moderner Kommunikationsmedien viel effizienter arbeiten können. Das wird sicher auch Einfluss darauf haben, wie wir unseren Vertrieb organisieren. Viel neues Geschäft gewinnen wir zum Beispiel über Teams. Holbox wächst nach und nach zu einem großen Webshop heran. Ich frage mich zudem, ob unsere Teilnahme an Messen und Events künftig noch so wichtig sein wird. Über digitale Medien erreichen wir schließlich ein enormes Publikum, um unsere Möglichkeiten zu zeigen.“ Zum Schluss hat Jan noch einen guten Rat: „Macht nicht alles selbst, nutzt Spezialisten. Lagert aus, was ihr nicht selbst könnt.“
Wie Holbox das handhabt, sieht man im VIDEO.

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